Ralf Witthaus // Rasenmäherzeichnungen

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Der typografische Garten in Zwickau

26. Oktober 2020 von Ralf Witthaus · Allgemein

Die Rosenwiese unweit der Kunstsammlungen Zwickau ist von der Form ähnlich einer Sportanlage, versehen mit einer niedrigen Tribüne aus den frühen 30er Jahren, wenigen Rosensträuchern und umliegend mit vielen großen Bäumen.

Auf der gut 7000 qm großen Fläche zeichne ich gemeinsam mit meinem Team im Zentrum eine Gruppe von Formen. Im Gegensatz zu der vorherigen Zeichnung in Torgau mit viel Raum zwischen den einzelnen Elementen und eher wie Text auf vier Grundhöhen, aber nicht klar auf einer Linie. Man läuft anders durch die Komposition, wenn die Formen mehr Platz haben und selbstständiger wirken. Es ist mehr wie wie eine Ansammlung auf einem weiten Feld.

Von außen laufen Linien in die Mitte der Grünfläche. Kurz vor den Formen hören diese auf. Zumeist nehmen diese Linien ihren Anfang bei den acht Zuwegen der inneren Parkfläche. Die Linien haben eine Stärke von zwei Fußbreiten – also wie ein Pfad. Die geraden Linien folgen keiner weiteren offensichtlichen geometrischen Ordnung, regen aber dazu an, die Parkfläche zu betreten und die Komposition im Zentrum zu entdecken.

Alle typografischen Gärten sind erstmal rätselhaft, inhaltlich unerkenntlich, undeutbar. Es gibt in der Regel kein Schild vor Ort, dass erklärt, was das ist, oder was es bedeutet. So ist es auch in Zwickau. Nur wenn man weiß, wie man das Landschaftskunstwerk lesen kann, erkennt man den Text in dieser Komposition. Die Menschen kommen in den Tagen der Realisation zu mir und dem Team und sprechen uns an. Oder sie sprechen untereinander, oder sie erfahren davon in der Zeitung oder im Fernsehen.

Ich habe mich verändert. Früher war es mir wichtiger, dass alle Menschen verstehen, was ich mache. Heute ist das anders, ich mag die rätselhafte Schönheit. Die Autonomie der Werke bedeutet mir mehr. Aber der Inhalt, oder ich sage besser: die Quelle, der Ursprung der Komposition ist kein Geheimnis. Wer mich fragt, wer nach Informationen sucht, bekommt eine Antwort. Die Buchstabeninnenräume und Buchstabenzwischenräume, die diese Formen bilden, sind einem Satz entnommen, der mich durch diese Zeit leitet: „Sei die Veränderung, die Du der Welt wünschst“. Das ist ein Zitat frei nach Mahatma Gandhi.

(C) Fotos (1+2) Dirk Häuser, (3) Ralf Witthaus

Dies ist das vierte Projekt einer Serie von fünf Landschaftskunstwerken. Die fünf typografischen Gärten sind Teil von „180 Ideen für Sachsen“, ein Projekt der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Gefördert werden die „180 Ideen für Sachsen“ von der Kulturstiftung des Bundes. Ebenfalls möchte ich mich für die Unterstützung bei allen ehrenamtlichen Helfern, den Kunstsammlungen Zwickau / Max-Pechstein-Museum, sowie bei dem Fotografen und bei STIHL bedanken.

Der fünfte Typografische Garten folgt in 2021.

Der typografische Garten in Torgau

26. Oktober 2020 von Ralf Witthaus · Allgemein

Am Fuße des Schlosses Hartenfels in Torgau liegt eine nierenförmige kleine Rasenfläche mit niedrigem Buchsbaum umsäumt. Auf engem Raum ist um die Rasenfläche eine schöne Gestaltung gefunden worden: zum Schloss langsam aufsteigend mehrere Ebenen mit Anpflanzungen von verschiedenen Zierpflanzen und Bänken zum Verweilen und Schauen.

Es ist eine schmeichelnde, ja liebliche Gartenanlage. Viele Touristen und Torgauer schlendern jeden Tag hier durch. Der Rosengarten ist der schönste Weg, um zum Schloss zu gelangen.

Für das Landschaftskunstwerk habe ich Buchstabenfragmente einer Frage verwendet. Dies ist eine Frage, die Knoten im Kopf machen kann. Bereits der erste Ansatz einer Antwort sagt ganz viel über einen Menschen aus.

Buchstabenzwischenräume und Buchstabeninnenräume des Satzes „Auf welche Frage bist Du die Antwort?“ sind in der Gartenkomposition eingeflossen.

Bezieht man diese Frage auf seinen Beruf, auf seine Herkunft, auf seine soziale Position? Vieles ist möglich. Mit dieser Frage kann ein Mensch seine eigene Position deutlicher finden.

Oder bezieht man die Frage auf den Ort? Oder auf das Zeitgeschehen?

Wie alle Rasenmäherzeichnungen von mir, ist auch diese zum Erlaufen gemacht. Eine schnelle Lesbarkeit steht für mich nicht an erster Stelle – ganz im Gegenteil. Ich mag das Rätselhafte, das sich hinter der kompositorischen Ästhetik verbirgt.

Das Luftbild ist übrigens nicht das Ziel meiner künstlerischen Arbeit, doch damit man sich das Werk anhand von Fotos besser vorstellen kann, eignet sich gut ein Blick von oben. Im Luftbild wird das Landschaftskunstwerk überraschend klar lesbar.

Fotos: (1-6) Ralf Witthaus, (7+8) Ralf Jakubski

Dies ist das dritte Projekt einer Serie von fünf Landschaftskunstwerken. Die fünf typografischen Gärten sind Teil von „180 Ideen für Sachsen“, ein Projekt der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Gefördert werden die „180 Ideen für Sachsen“ von der Kulturstiftung des Bundes. Ebenfalls möchte ich mich für die Unterstützung bei allen ehrenamtlichen Helfern, den Mitarbeitern des Schloss Hartenfels, bei dem Fotografen und bei STIHL bedanken.

Du bist das Du bist

24. Oktober 2020 von Ralf Witthaus · Allgemein

In Löbnitz befindet sich eine weitere neue Arbeit, direkt im Garten der evangelischen Kirche. Das Kunstwerk ist ebenso wie in Delitzsch kaum lesbar, und hat auch einen Bezug zum Ort. In diesem Fall bezieht sie sich auf eine interessante spirituelle Auseinandersetzung.

Die Quelle dazu kommt aus der Bibel: Als Moses die Gottes Stimme aus dem brennenden Dornbusch nach seinem Namen fragte, bekam er die wunderliche Antwort: „Ich bin der ich bin“.

Die Übersetzung aus dem hebräischen lässt jedoch noch mehr Deutungsraum zu: googelt man „eheje ascher eheje“ stellt man fest, dass Menschen diesen Satz übersetzen mit: „Ich bin, der ich bin da“, oder: „Ich werde sein, der ich sein werde“, oder: „Ich werde da sein, der ich immer da sein werde“, „Ich bin der Dabeiseiende“.

Davon habe ich bis vor kurzem nichts gewusst, es hat mich auch nicht sonderlich interessiert. Aber ich traf jemanden, der aus einem anderen Blickwinkel auf die biblische Mystik in diesem Satz schaute und eine weitere Interpretation ins Gespräch führte, die mich tief inspirierte: „Ich bin das ich bin“

Ein Neugeborener identifiziert sich nicht anhand dessen, was er hat, was er tut oder getan hat. Er ist pure Anwesenheit. Wenn wir Menschen in die innere Versenkung gehen, und uns damit beschäftigen, wer wir sind, und dabei alle Attribute weglassen: z.B. unser Alter, unseren Namen, unseren Beruf und alles was wir erlebt und erworben haben, was bleibt da übrig?

Es ist unsere absolute Anwesenheit, unsere absolute Wahrnehmung, unser so sein.

Was für ein schöner Inhalt für eine Gartenkomposition.

Fotos: (1) Harald Neumann, (2,3) Ralf Witthaus

Die fünf typografischen Gärten sind Teil von „180 Ideen für Sachsen“, ein Projekt der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Gefördert werden die „180 Ideen für Sachsen“ von der Kulturstiftung des Bundes. Ebenfalls möchte ich mich für die Unterstützung bei allen ehrenamtlichen Helfern, der evangelischen Kirche, insbesondere Herrn Pfarrer Matthias Taatz, der Stadt Löbnitz und bei STIHL bedanken.

Der Typografische Garten in Delitzsch

21. Oktober 2020 von Ralf Witthaus · Allgemein

Ich bin zurück aus Sachsen und werde jetzt nach und nach die Bilder der vier Projekte online stellen. Anfangen möchte ich heute mit dem typografischen Garten in Delitzsch.

Typografische Gärten bestehen aus – wie der Name schon nahelegt – typografischen Elementen. Diese gruppieren sich in einer Komposition, die auf dem ersten Blick, wenig mit Text zu tun haben scheint. Auch auf dem zweiten und dritten Blick hat der Besucher nicht das Gefühl, dass ich hier einen Text zur Grundlage der Gestaltung genommen haben könnte.

Zuerst einmal sind es nicht die Linien von Buchstaben, die mich bei der Gestaltung dieser Landschaftskunstwerke inspirieren, sondern hingegen Buchstabenzwischenräume, Buchstabeninnenräume.

Das interessiert mich schon lange: Im Studium habe ich mich viel mit Schrift beschäftigt. Als Zeichner fasziniert mich die Dynamik, die bei der Schriftgestaltung zwischen den 26 Buchstaben entsteht. Alle Kombinationen beachtet ein Schriftgestalter, damit die Buchstaben zusammen ein ausgeglichenes Schriftbild ergeben. Genauso wichtig, wie der Duktus der Schriftlinie ist dabei der weiße Raum zwischen den Linien.

Heutzutage habe ich das Gefühl, dass Menschen mehr auf Buchstaben schauen, als jemals zuvor. Die Schönheit und die Einfachheit von Schrift ist ein unbemerkter Teil von Lebensqualität, von Kommunikation. Für mich ist das mehr als eine Selbstverständlichkeit, denn es gibt einen Inhalt der hinter dem geschriebenen Wort oft unbeachtet bleibt. Die kontextreiche Geschichte und Qualität der Schrift selbst.

Ich weiss, das meine typografischen Gärten bei aller Ästhetik beinahe unlesbar sind. Ich finde es auch schön, dass für die meisten Menschen erstmal ihnen ein Geheimnis innewohnt. So wie der Natur viele Geheimnisse innewohnen. Es gibt kein Erklärungsschild an diesen Kunstwerken. Sie sind einfach da.

Und doch gibt es eine Quelle für die Gartenkompositionen. Und jeder der mich fragt, wird auch von mir über die Hintergründe aufgeklärt. In Delitzsch ist es ein Teil eines Zitates von Christian Gottfried Ehrenberg, einem der prominentesten Söhne der Stadt, vor 225 Jahren geboren, ein berühmter Naturforscher, ein Vorläufer Humbolds und Begründer der Mikropaläontologie.

Wenn man ganz genau hinsieht, erkennt man Stück für Stück die Buchstaben, und findet in der Komposition den Satz: „Und aus dem Kleinen bauen sich die Welten“. Ehrenberg ist einer der Menschen, die die Idee angestoßen haben, dass die Welt im kleinen Detail eine Ähnlichkeit, ja einen Zusammenhang zu den Gestirnen haben muss.

Ich denke, dass lässt sich auch auf unsere menschliche Zivilisation beziehen: Jeder Einzelne tut seines dazu, dass die Gesellschaft in all ihren guten Facetten gedeihen kann.

(C) Werk und Fotos: Ralf Witthaus

Die fünf typografischen Gärten sind Teil von „180 Ideen für Sachsen“, ein Projekt der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Gefördert werden die „180 Ideen für Sachsen“ von der Kulturstiftung des Bundes. Ebenfalls möchte ich mich für die Unterstützung bei allen ehrenamtlichen Helfern, der Stadt Delitzsch und bei STIHL bedanken.

typografische Gärten

11. Oktober 2020 von Ralf Witthaus · Allgemein

Im Moment reise ich mit meinem Team durch Sachsen und wir realisieren mehrere Kunstwerke. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben mich eingeladen für „180 Ideen für Sachsen“ fünf Projekte zu entwickeln.

Im Delitzscher Stadtpark, in Löbnitz im Garten der evenaglischen Kirche und im Rosengarten des Schlosses Hartenfels im Zentrum von Torgau sind die ersten drei Rasenmäherzeichnungen bereits fertiggestellt, in Zwickau entsteht die nächste Arbeit auf der Rosenwiese, ein schöner Park unweit der Kunstsammlungen Zwickau. Ein fünftes Werk ist für 2021 geplant.

Allen Werken ist gemein, dass das grafische Bild sich aus einer luftigen offenen Komposition aus Buchstabenzwischenräumen zusammensetzt. Die Sätze aus denen die Landschaftskunstwerke gebildet werden, sind auf dem ersten, zweiten und dritten Blick kaum lesbar. Aber es gibt jeweils einen Inhalt, der sich bei diesen typografischen Gärten immer auch auf den Ort und den Kontext bezieht.

Gefördert werden die „180 Ideen für Sachsen“ von der Kulturstiftung des Bundes. Ebenfalls möchte ich mich für die Unterstützung bei allen ehrenamtlichen Helfern, den Projektpartnern vor Ort und bei STIHL bedanken.

Fotos (C) Harald Neumann

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