Ralf Witthaus // Rasenmäherzeichnungen

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Green City Milano 2017

23. September 2017 von Ralf Witthaus · Allgemein

the italian version you can find below

Einladung

Präsentation einer Rasenmäherzeichnung im Parco Segantini Sonntag 24.Sept. 17:30 und 18 Uhr im Rahmen der Green City Milano 2017

Fast alle Städte liegen an größeren Flüssen, denn Menschen siedeln dort, wo Wasser ist. Wasser bedeutete immer gleich mehrere wichtige Ressourcen und Möglichkeiten für Ansiedlungen, insbesondere: Trinkwasser, Bewässerung, Fische, Transportwege, Abwasser. Mailand ist eine der ganz wenigen Großstädte die hingegen keinen natürlichen größeren Fluss hat. Doch die Menschen haben hier jahrhundertelang immer eine sehr ausgeklügelte Wasserwirtschaft betrieben. Das Kanalsystem von Mailand geht unter anderem zurück auf Leonardo da Vinci, der damit den Transport von Baumaterial in großen Mengen in die Innenstadt von Mailand ermöglichte. Vor Generationen hat man die Kanäle unter die Erde gelegt, über ihnen sind Strassen gebaut worden – und nach langen Planungen fängt man nun an die Kanäle wieder im Stadtraum zu öffnen. Heute sind die Kanäle viel sauberer und sie führen zu einem viel besseren Stadtklima. Rund um die neuen Wasserwege steigt sichtbar die Lebensqualität. Die Mailänder entdecken das Wasser in der Stadt neu.

Dies ist der Ausgangspunkt für das neue Kunstprojekt, dass die Kuratorin Chiara Donisi von OverLAPS und Ralf Witthaus in Mailand realisieren möchten. Die Idee an dem Chiara Donisi und Ralf Witthaus zur Zeit arbeiten, ist die Zeichnung eines Flusses durch das Stadtgrün von Mailand  die 2018 oder 2019 Realität werden kann. Um diese Vision erlebbar zu machen und die Konzeption mit Interessierten zu diskutieren und weiterzuentwickeln, wird im Rahmen der Green City Milano 2017 am Sonntag den 24sten September im Parco Segantini eine Rasenmäherzeichnung entstehen.

Invito

Disegnare col tosaerba

Domenica 24 settembre 2017 ore 17.30 e 18.00

Presentazione al Parco Segantini – via Segantini, Milano.

Green City Milano 2017

Quasi tutte le grandi città si sono sviluppate vicino ad un fiume, perché l’acqua riveste un ruolo primario nella vita delle persone e offre grandi risorse e possibilità agli insediamenti che attraversa.  Milano è una delle rare eccezioni a questa regola, infatti non ha nel suo centro storico un fiume principale. Ma i milanesi hanno da sempre praticato una gestione sofisticata della risorsa idrica. Il sistema dei canali – iniziato nel 1179 con la costruzione di quello che oggi chiamiamo Naviglio Grande – si è sviluppato sempre più nei secoli grazie alla partecipazione di tutti i milanesi, si pensi nel Quattrocento all’intervento di Leonardo da Vinci che ha apportato numerosi miglioramenti e delle modifiche al sistema delle conche.

Questo enorme patrimonio culturale e materiale venne gradualmente abbandonato durante l’Ottocento e definitivamente chiuso nella prima metà del novecento. I canali sono stati quasi completamente cancellati dalla città di Milano e solo ora si ricomincia a pensare di aprirli nuovamente. I canali porterebbero una maggior qualità urbana, in termini di vivibilità e microclima, aumentando le possibilità di loisir per residenti e turisti. I milanesi riscoprirebbero il piacere di avere una via d’acqua in città.

 

Questo è il punto di partenza per il nuovo progetto d’arte che la curatrice Chiara Donisi, dell’associazione culturale OverLAPS, e l’artista Ralf Witthaus vogliono realizzare a Milano. L’esperienza fatta realizzando nell’estate 2017 il progetto “Il tesoro smarrito”, che ha permesso a centinaia di persone di riscoprire il paesaggio dell’Alto Lario e la sua antica storia, è stata la premessa. Il desiderio ora è di trovare un’immagine, un disegno, una storia, che permettano di riconnettere il paesaggio urbano della città di Milano alle sue antiche vie d’acqua.

Ralf Witthaus disegna con il tosaerba sul verde: insieme ad una squadra di volontari vengono creati disegni che modificano il luogo per un breve periodo – fino a quando l’erba non cresce di nuovo. I disegni temporanei sono a volte piccoli camei – a volte molto più estesi. Ad esempio, a Colonia, l’artista ha realizzato un disegno di sette chilometri intorno al centro della città. Witthaus e il suo team lavorano in abiti neri perché non solo il disegno, ma anche l’intero processo di creazione fa parte della sua arte. I disegni possono essere percorsi e il paesaggio di Ralf Witthaus diventa un’esperienza artistica.

L’idea in cui lavorano Chiara Donisi e Ralf Witthaus al momento è il disegno di un fiume attraverso il verde urbano di Milano. Per rendere questa visione tangibile e per discutere e sviluppare ulteriormente la concezione con le parti interessate, realizzeranno un disegno col tosaerba al Parco Segantini che verrà inaugurato domenica 24 settembre alle 17.30 e alle 18.00. Sarà un dialogo a tre voci tra Gioia Gibelli, architetto paesaggista, Ralf Witthaus e Chiara Donisi.

Il progetto è finanziato da STIHL.

Foto: Ralf Witthaus al Parco Segantini di Milano, (C) Harald Neumann, 2017

Hier ist der neue Katalog: „Ralf Witthaus – In Deinem Spiegel – In Your Mirror“

03. September 2017 von Ralf Witthaus · Allgemein

english Version below

Ein Schloss, das von seinem Erbauer nie bewohnt wurde und bis heute nicht bewohnt wird; eine berühmte Bildersammlung die für immer die Stadt verliess und zudem auch noch ein Herrscher, der das ihn liebende Volk verlassen hatte!

Die Gemengelage könnte für ein Kunstprojekt nicht interessanter sein! In einer dreiwöchigen Aktion schnitten wir im Sommer 2015 ein über einen Kilometer langes Textband rund um den Spiegelweiher am Schloss Benrath in den Rasen. Eine poetische Anrufung – rückbeziehend auf die absurde Liebeslyrik, die vor 250 Jahren üblich war, wenn man über den Herrscher schrieb.

Gemeinsam mit dem Museum für Gartenkunst der Stiftung Schloss und Park Benrath veröffentliche ich jetzt die Projektdokumentation zu dem Kunstprojekt IN DEINEM SPIEGEL als kleines Buch. Es erscheint mit Texten von Julius Tambornino und Stefan Schweizer zweisprachig in deutsch und englisch im culturtraeger Verlag, 15 x 20 cm, 60 Seiten.

Das Buch ist exklusiv als Deluxe-Variante – signiert und mit kleiner Originalzeichnung bei mir für 44€+Porto erhältlich. Jeder, der jetzt in den nächsten 7 Tagen bestellt, erhält die Zeichnung sogar coloriert und mit Widmung! Einfach schreiben an: mail@ralfwitthaus.de oder anrufen: 0163-2496859

A palace never being inhabited by his builder and it has never been inhabited until today, a famous collection of images that left the city forever and furthermore a ruler being loved by his entourage also went away!

The mixed situation could not be more interesting for an art project! In summer 2015, during a three-weeks`campaign, we cut a one kilometer-long text line in the lawn around the mirror pond of Benrath Castle. A poetic invocation – referring to the absurd love poetry being used 250 years ago when writing about the ruler.

Together with the Museum for Garden Art of the Benrath Palace and Park Foundation, I now publish the project documentation on the art project IN YOUR MIRROR as a small book. It appears with texts by Julius Tambornino and Stefan Schweizer bilingual in German and English at the publishing house culturtraeger Verlag, 15 x 20 cm, 60 pages.

The book is exclusively available in a deluxe-version – signed and with a small original drawing for 44 € +postage . For everyone ordering now within the next 7 days, the drawing is even colored and with dedication! Just write to: mail@ralfwitthaus.de or call: 0049 (0) 163-2496859

Die Halskette auf dem Berg Bregagno

05. August 2017 von Ralf Witthaus · Allgemein

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In 1100 Metern Höhe auf dem Monte Bregagno in Italien, oberhalb des Comer Sees realisierte Ralf Witthaus mit seinem Team ein temporäres Kunstprojekt: IL TESORO SMARRITO – eine 650 Meter lange Halskette, die sich als Zeichnung im Gras am Grat des Berges emporschmiegt.

Zum Fusse des Berges liegt Musso, sowie eine Handvoll weiterer Gemeinden, denen eine besondere Tradition eigen ist. In den Schmuckschatullen der Familien finden sich hier sehr alte rote Korallenketten mit silbernen Perlen, weitergegeben von Muttern zu Töchtern über viele Generationen, wertvoll und unverkäuflich. Diese Ketten sind deshalb so identitätsstiftend, weil ihnen ein Versprechen anhaftet, wenn auch die Namen und die Umstände der Familienmitglieder – der Beschenkten und der Schenker – längst dem Vergessen anheim gefallen sind.

Vor etwa 150 bis 300 Jahren war es wirtschaftlich kaum möglich für einen normalen jungen Mann am Comer See eine Familie zu gründen. Deshalb zogen viele nach Palermo um ihr Glück zu machen. Und vielen gelang es, und sie kehrten nach wenigen Jahren mit Vermögen zurück und heirateten die Frauen, denen sie ihr Herz versprochen hatten. Damit eine junge Frau auch wirklich auf den Versprochenen wartete, sendete der junge Mann ihr zum Ausdruck seines Versprechens aus Palermo eben je Korallenkette oder auch einen speziellen Ohrschmuck, der ebenfalls bis heute getragen wird.

Die Kuratorin Chiara Donisi des Vereins OverLAPS lud den Künstler Ralf Witthaus zu dem Kunstprojekt ein: „Die Region oberhalb des Comer Sees ist heute so gut wie verlassen, vor 50 Jahren war das noch ganz anders, die Menschen hier lebten von Land- und Viehwirtschaft. Das war nur möglich, wenn man die Möglichkeiten in den Alpen komplett ausnutzte, den Rhythmus der Jahreszeiten folgte und sich mit den Tieren im Gebirge auf- und abbewegte. Das Kunstprojekt ist interessant für uns, denn wenn Leute wieder kommen, um sich diese Landschaft anzusehen, werden sich auch Menschen finden, die sich darum kümmern wollen. Das Potential des schönen Ortes ist immens. Wir bieten eine Plattform an für Imagination – ausgehend von der Tradition – hinführend zu der Diskussion für eine angemessene und nachhaltige Entwicklung.“

Ralf Witthaus und sein Team zeichnete 10 Tage lang mit Akku- und Motorsensen auf den Hängen des Monte Bregagno – der Kontrast der Zeichnung ist braun zu grün – und das rasche Zuwachsen der riesigen Zeichnung gehört für ihn dazu. Für ihn ist die fertige Zeichnung nur ein Teil des Projektes, genauso wichtig ist ihm der performative Entstehungsprozess – sein Team arbeitet in schwarzer Anzughose und weißem Hemd. Ralf Witthaus sagt dazu: „Rasenmähen – also in dieser Form zu Zeichnen – ist natürlich weniger Veränderung sondern mehr eine künstlerische Geste – die Natur wird das Kunstwerk in wenigen Wochen wieder zuwachsen lassen. Das gehört für mich dazu. Was mich hier interessiert ist, dass diese besondere Agrarlandschaft revitalisiert werden kann. Dies ist eines der schönsten Plätze der Welt. Die Kette nimmt Bezug auf das Versprechen der jungen Männer einst: Ja, hier gibt es etwas, das wert ist, zurück zu kommen.“

Das Projekt wurde ermöglicht durch die Förderung der Comune Musso, Fondazione Cariplo und STIHL. Das Kunstwerk ist ganztägig und kostenfrei zu besichtigen und noch etwa 2 Wochen sichtbar.

Mehr Informationen zum Projekt und overlaps.it finden Sie unter: www.overlaps.it, or www.facebook.com/overlaps.it, Tel.: 0039 3393561498 (Chiara Donisi)

english:

At 1100 meters above sea level on the Monte Bregagno in Italy, above the Lake Como, Ralf Witthaus and his team realized a temporary art project: IL TESORO SMARRITO, a 650-meter long necklace that rises as a drawing in the grass at the ridge of the mountain.

At the foot of the mountain lies Musso, as well as a handful of other villages nearby, which have a special tradition. In the jewelery boxes of the families are found here ancient red coral necklaces with silver beads, passed by mothers to daughters for many generations, valuable and unsaleable. These necklaces are so important, because they are given with a special promise, even though the names and circumstances of the family members – the recipient and the donor – have long since fallen into oblivion.

About 150 to 300 years ago it was hardly possible to make a living for a family for a normal young man on Lake Como. That is why many moved to Palermo to make their fortune. And many succeeded, and after a few years they returned with a patrimony, and married the women to whom they had promised their heart before. To be sure that the young woman will wait, the young men were used to sent her to express his promise again from Palermo a coral necklace, or a special ear jewelery, which is also worn to this day.

The curator, Chiara Donisi of the cultural association OverLAPS invited the artist Ralf Witthaus to the art project: „The region above Lake Como is almost deserted, 50 years ago, it was quite different. The people here lived from agriculture and breeding, that was only possible, if they took advantage of the full possibilities of the territory moving up and downhill following the seasons rhythm. The art project is interesting for us, because when people come back to look at this landscape, people hopefully will again take care of it. The potential of the beautiful place is immense. We want to offer a platform for imagination – starting from the tradition – leading to a discussion for an adequate and sustainable development.“

Ralf Witthaus and his team drew for 10 days on the slopes of Mount Bregagno with brushcutters – the contrast of the drawing is brown to green – and the rapid grow over of the huge drawing belongs to it. For him, the finished drawing is only a part of the project, just as important is the performative artistic process – his team works in a black suit and a white shirt. Ralf Witthaus says: „Lawn mowing – in this form of drawing – of course, it is less a change but more an artistic gesture – the nature will over grow the artwork in a few weeks. It is part of it. What interests me here is that this particular agricultural landscape can be revitalized. This is one of the most beautiful places in the world. The necklace refers to the promise of the young men once: Yes, there is something worth to come back. “

The project was made possible by the promotion of Comune Musso, Fondazione Cariplo and STIHL. The work of art can be viewed all day and free of charge and still visible for about two weeks.

More information about the project and overlaps.it can be found at: www.overlaps.it, or: www.facebook.com/overlaps.it and telephone .: 0039 3393561498 (Chiara Donisi)

italiano:

A 1100 metri di quota sul monte Bregagno in Italia, sul lago di Como, Ralf Witthaus e il suo team hanno realizzato un progetto temporaneo d’arte contemporanea: IL TESORO SMARRITO, una collana disegnata sull’erba lunga 650 metri che risale la dorsale del monte.

Ai piedi della montagna si trova Musso, un centro che condivide con una manciata d’altri paesi limitrofi una speciale tradizione. Negli scrigni delle famiglie si trovano delle antiche collane di corallo rosso con spartitori in argento, che passano di madre in figlia da molte generazioni, preziose e non cedibili. Queste collane sono così importanti perché erano segno di una promessa speciale, anche se i nomi e le vicende degli avi – chi le ha ricevute e chi le ha donate – sono caduti nell’oblio da ormai molto tempo.

Tra i 300 e i 150 anni fa era molto difficile per i giovani uomini dell’alto lago di Como avere un reddito con cui fare famiglia. Per questo motivo molti di loro si trasferirono a Palermo per cercare fortuna. E molti ci riuscirono, e dopo pochi anni tornarono con un piccolo patrimonio, e sposarono la donna a cui avevano promesso il loro cuore al momento della partenza. Per essere sicuri che le loro donne li aspettassero e per confermare la loro promessa questi giovani uomini erano soliti inviare da Palermo una collana di corallo, o degli orecchini, anch’essi indossati fino ai giorni nostri.

La curatrice, Chiara Donisi dell’associazione OverLAPS, cha invitato l’artista Ralf Witthaus a realizzare il progetto artistico, racconta: “La regione dei monti dell’Alto Lario, oggi praticamente abbandonata, fino a cinquant’anni fa era molto diversa. Le persone vivevano di agricoltura e allevamento, e per riuscirci l’unico modo era di sfruttare appieno quello che il territorio offriva – muovendosi secondo il ritmo delle stagioni lungo le pendici delle montagne. Il progetto artistico è stato per noi importante, perché facendo ritornare le persone a visitare questo paesaggio, le si invita a ricominciare a prendersi cura di esso. Il potenziale di questo luogo meraviglioso è immenso. Noi vogliamo offrire una piattaforma per immaginare – a partire dalla tradizione – uno sviluppo possibile e sostenibile”.

Ralf Witthaus e il suo team hanno disegnato per 10 giorni sulle pendici del monte Bregagno con il tosaerba – il contrasto del disegno è marrone e verde – e la rapida ricrescita sopra il grande disegno fa parte di esso. Per l’artista, il disegno finito è solo una parte del progetto, altrettanto importante del processo artistico performativo – il suo team lavora in abito nero e camicia bianca. Ralf Witthaus afferma: “Tagliare l’erba – nelle forme del disegno – ovviamente, non è tanto un cambiamento quanto piuttosto un gesto artistico – la natura cancellerà l’opera in poche settimane. È parte dell’opera. Ciò che mi interessa in questo luogo è che questo particolare paesaggio agricolo può essere rivitalizzato. Questo è uno dei posti più belli del mondo. La collana si riferisce alla promessa fatta da un giovane uomo un tempo: sì, c’è qualcosa per cui vale la pena tornare”.

Il progetto è stato possibile grazie al contributo di Comune di Musso, Fondazione Cariplo e STIHL. Si può visitare l’opera quotidianamente e gratuitamente per circa due settimane.

Qui si possono trovare maggiori informazioni sul progetto e sull’associazione OverLAPS: www.overlaps.it, or: www.facebook.com/overlaps.it, tel .: 0039 3393561498 (Chiara Donisi)

Fotos: (C) Harald Neumann

Die roten Korallenketten

05. August 2017 von Ralf Witthaus · Allgemein

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„Nein, diese Ketten kann man nicht kaufen. Der einzige Weg, an so eine Halskette zu kommen, ist dass Sie jemanden aus diesem Dorf heiraten!“, die Gruppe älterer Frauen fängt herzlich an zu lachen. Sie haben meine Geschichte gehört und unseren Versuch in den hiesigen Juweliergeschäften eine dieser alten Korallenketten zu erwerben. Das war noch vor dem Kunstprojekt Anfang des Jahres, mir war bereits klar, dass es nach dem Projekt womöglich unerschwinglich werden würde, eine dieser alten Schmuckstücke zu erwerben. Aber wie wir feststellten – auch vorher gab es nicht eine einzige auf dem Markt. Auch das empfand ich als bemerkenswert.

Jede von den Frauen im Raum trägt eine solche Halskette, die über viele Generationen von Mutter zur Tochter weitergegeben worden ist. Oder auch den traditionellen Ohrschmuck, beides Geschenke von Männern, die vor 150 bis 300 Jahren in die Ferne gingen, um mit Vermögen zurückzukehren. Die meisten gingen nach Palermo, der Herkunftsort der Halsketten aus roten Korallen. Das war eine risikoreiche Reise zu der Zeit – bis heute sind die Testamente junger Männer, die die Reise antraten, in Archiven zu finden. Und doch gelang es vielen erfolgreich zurückzukehren, um die Auserwählte zu heiraten. So ging es über etliche Generationen.

In Publikationen hatte ich die Halsketten schon gesehen, aber jetzt konnte ich mir einen Eindruck von den Originalen machen. Sie variieren leicht, das was sie alle gemein haben, sind die roten Korallen, zylinderförmig, oder etwas runder, manche auch ganz als Kugel gearbeitet. Dazu gesellen sich große silberne Perlen – goldene Perlen sind jüngeren Datums. Die Halsketten erinnern an einen Rosenkranz. Es gibt sie als einfache Halskette, aber auch als doppelte und dreifache. Auch die silbernen Elemente haben unterschiedliche Ornamentik, manche sind gegossen, andere kunstvoll aus Draht gewickelt und weiterverarbeitet. Heute haben die Ketten stabile Verschlüsse, die sind nachträglich eingesetzt worden, früher wurden sie oft mit Stoffbändern versehen und damit gebunden.

Wir haben uns auf den Weg gemacht, weil wir die Geschichte dieses Projektes auch anhand der lebendigen Tradition erleben wollen. Wir fragen sie, ob wir Portraitaufnahmen von Ihnen mit der Korallenkette machen können und was sie über die Halsketten wissen. Die Frauen, bei denen wir in Livo – nahe Musso – zu Besuch sind, erzählen uns, dass die meisten dieser Halsketten heutzutage eher im Schmuckkästchen der Familien verbleiben. Und auch, dass niemand mehr die Namen der Beschenkten oder der Schenker weiß – zu viele Generationen sind vergangen. Aber die Geschichte und Bedeutung der Korallenketten hat noch immer Präsenz: Jeder kennt die Geschichte und niemand würde eine solche Korallenkette verkaufen. Bis heute tragen einige Frauen die Ketten auf besonderen Anlässen, oder zum Gottesdienst. Die Ketten werden auch immer noch von Mutter zu Tochter weitergegeben. In der Kirche selbst ist das Marienbild und ein Jesuskind mit ebensolchen Korallenketten geschmückt.

The necklace with red corals

„No, you can not buy these necklaces. The only way to get such a necklace is to marry someone from this village!“, the group of older women is beginning to laugh. They have heard my story and that we have been trying to acquire one of these old coral chains in the local jewelery shops. That was before the art project at the beginning of the year. It was already clear to me that after the project it would be unaffordable to buy one of these old jewelery. But as we noted – even before there was not a single necklace on the market. This was remarkable, too.

Each of the women in the room wears such a necklace, which has been passed on from mother to daughter for many generations. Or the traditional ear jewelery, both gifts from men who went to far away places 150 to 300 years ago to return with fortune. Most went to Palermo, the place where the necklaces of red coral come from. This was a risky journey at that time – the testaments of young men who left for the travel were found in archives until today. And many succeeded to return successfully – to marry the chosen one. So it went on for several generations.

In publications I had already seen the necklaces, but now I could get an impression of the originals. They vary slightly, but what they all have in common are the red corals, cylindrical, or a bit round, some also as a ball. And there are large silver beads – golden beads are more recent, not from that time. The necklaces remind of a rosary. It is available as a simple necklace, but also as a double and a triple. Also the silver elements have different ornamentation, some are cast, others artfully wire wound and further processed. Today, the necklaces have sturdy fasteners, which have been set in afterwards, in the past they were often provided with textile ribbons and bound with them.

We come there, because we wish to get know the history of this project by the lively tradition. We ask them if we can make portraits of them with the coral necklace and what they know about them. The women we are visiting in Livo, near Musso, tell us that most of these necklaces nowadays remain in the family’s jewelery box. And also that no one knows the names of the recipient or the donor – too many generations have passed away. But the history and importance of coral chains is still present: everyone knows the story and no one would sell such a coral necklace. To this day some women wear the necklaces on special occasions, or to the church. The chains are still passed from mother to daughter. In the church itself, the image of the Virgin Mary and a child of Jesus are decorated with the same coral chains.

fotos: (C) Harald Neumann

IL TESORO SMARRITO

31. Juli 2017 von Ralf Witthaus · Allgemein

1100 meters, 10 days, 6 people, 79 pearls, one necklace …. Come and visit IL TESORO SMARRITO at Monte Bregagno / Como Lake / Italy:

Foto (C) Harald Neumann, Artwork (C) Ralf Witthaus

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